Bleisure und Workation: Vom Trend zur strategischen Aufgabe für Serviced Apartments Anbietende
Geschäftsreisen verändern ihren Charakter. Immer häufiger enden sie nicht mehr mit dem letzten Termin, sondern gehen in einen privaten Aufenthalt über. Gleichzeitig lösen sich die Grenzen zwischen Arbeiten, Reisen und Freizeit zunehmend auf. Mobile Arbeitsformen, flexible Arbeitszeitmodelle und veränderte Erwartungen an die Work-Life-Balance tragen dazu bei, dass Reisen heute anders geplant und erlebt werden als noch vor wenigen Jahren.
Begriffe wie Bleisure und Workation stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Während Bleisure die Verbindung von Geschäfts- und Privatreise beschreibt, meint Workation das ortsunabhängige Arbeiten an einem temporären Aufenthaltsort, oft verbunden mit urlaublichen Motiven. Beide Formen werden seit einiger Zeit intensiv diskutiert. Was bislang jedoch fehlte, waren belastbare Erkenntnisse darüber, wie weit sie tatsächlich im Markt verankert sind und wie die Branche darauf reagiert.
Mit dem Bleisure & Workation Monitor Deutschland der IU Internationalen Hochschule wurde daher erstmals sowohl die Nachfrage- als auch die Angebotsseite systematisch untersucht. Ziel der Studie war es, den aktuellen Stand hybrider Reiseformen zu erfassen und daraus konkrete Handlungsperspektiven für Tourismus und Hospitality abzuleiten.
Bleisure ist längst Teil des Geschäftsreisemarktes
Die Ergebnisse zeigen klar: Bleisure ist kein Randphänomen mehr. Bereits 44 Prozent der befragten Geschäftsreisenden haben berufliche Reisen mit privaten Aufenthalten kombiniert, und rund 59 Prozent können sich vorstellen, dies künftig häufiger zu tun. Auch Workation ist mit einer bisherigen Nutzung von 22 Prozent deutlich stärker verbreitet, als vielfach angenommen.
Ausschlaggebend ist dabei weniger die absolute Verbreitung als die dahinterliegende Entwicklung. Geschäftsreisende wünschen sich mehr Flexibilität, längere Aufenthalte und die Möglichkeit, Arbeit und Freizeit sinnvoll zu verbinden. Reisen werden damit individueller, aber auch anspruchsvoller. Die klassische Trennung zwischen Geschäfts- und Urlaubsreise verliert zunehmend an Bedeutung.
Das Marktpotenzial trifft auf eine noch junge Angebotsentwicklung
Während sich die Nachfrage dynamisch entwickelt, zeigt sich auf der Angebotsseite ein deutlich heterogeneres Bild. Viele touristische Betriebe erkennen die Chancen hybrider Reiseformen – etwa durch zusätzliche Übernachtungen, längere Aufenthalte oder neue Zielgruppen. Gleichzeitig verfügen bislang nur vergleichsweise wenige Unternehmen über klar formulierte Strategien oder entsprechend strukturierte Angebote.
In der Praxis entstehen Bleisure- und Workation-Leistungen häufig situativ aus konkreten Anfragen heraus und weniger als Ergebnis einer strategischen Positionierung. Daraus ergibt sich eine markante Konstellation: Die Nachfrage entwickelt sich derzeit schneller als das Angebot.
Gerade darin liegen jedoch Spielräume – für einzelne Betriebe ebenso wie für Destinationen, die das Thema aktiv aufgreifen und strategisch weiterentwickeln.
Bleisure ist eine Gemeinschaftsaufgabe
Eine weitere zentrale Erkenntnis betrifft den Charakter hybrider Reiseformen. Bleisure entsteht selten isoliert auf Ebene der Unterkunft. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure: Freizeitangebote, Gastronomie, Mobilität, Veranstaltungsorte und eine Destination, die berufliche und private Aufenthalte sinnvoll miteinander verknüpft.
Dennoch werden entsprechende Angebote bislang überwiegend einzelbetrieblich gedacht und vermarktet. Destination Management Organisationen, Convention Bureaus und regionale Netzwerke bleiben damit häufig unter ihren Möglichkeiten. Gerade sie könnten eine stärkere Rolle übernehmen – etwa indem sie Angebote bündeln, Kooperationen initiieren und gemeinsame Vermarktungsansätze entwickeln.
Bleisure ist damit weniger eine klassische Produktinnovation als vielmehr eine koordinative Aufgabe im Netzwerk.
Was bedeutet das für Serviced Apartments?
Für Betreiber von Serviced Apartments ergeben sich aus dieser Entwicklung besonders interessante Perspektiven. Viele der Eigenschaften, die Bleisure- und Workation-Gäste erwarten, sind hier bereits angelegt: großzügige Raumangebote, ein wohnliches Umfeld, flexible Aufenthaltsdauern sowie die selbstverständliche Verbindung von Arbeiten und Leben auf Zeit.
Die zentrale Herausforderung liegt daher weniger in der Entwicklung neuer Produkte. Entscheidend ist vielmehr, die vorhandenen Stärken klar herauszuarbeiten, sichtbar zu machen und gezielt als Antwort auf veränderte Reisebedürfnisse zu positionieren. Gleichzeitig gewinnt die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern an Bedeutung, um integrierte Angebote zu schaffen, die den gesamten Aufenthalt in den Blick nehmen.
Die Ergebnisse des Bleisure & Workation Monitors legen nahe, dass Serviced Apartments aufgrund ihres Leistungsprofils besonders gute Voraussetzungen haben, von der Entwicklung hybrider Reiseformen zu profitieren. Voraussetzung ist jedoch, Bleisure und Workation nicht als kurzfristige Trends zu verstehen, sondern als Ausdruck eines strukturellen Wandels im Geschäftsreisemarkt.
Ausblick
Die Vorstellung der Studienergebnisse im Rahmen einer Mainzer Konferenz im Juni 2026 hat gezeigt, dass das Interesse in der Branche groß ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich viele Fragestellungen noch in einer frühen Phase befinden: Welche Angebotsformate werden sich etablieren? Welche Rolle übernehmen Destinationen künftig? Und wie verändert sich die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Convention Bureaus und weiteren touristischen Akteuren?
Bleisure und Workation sind damit weniger fertige Produkte als vielmehr strategische Entwicklungsfelder. Wer diese frühzeitig versteht und aktiv gestaltet, kann sich in einem sich wandelnden Geschäftsreisemarkt gezielt positionieren. Für Serviced Apartments ergibt sich daraus die Chance, nicht nur von dieser Entwicklung zu profitieren, sondern sie auf Basis ihres Angebotsprofils aktiv mitzugestalten.